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Texte

Jan Köhnholdt – Beyond the Mirror

Dagmar Lott-Reschke

Alles begann mit der Beobachtung "flüchtiger Realitäten" im Widerschein des Isebek-Kanals in Hamburg. Die Brechung und Auflösung des Spiegelbildes durch die Wellenbewegung des Wassers brachte alles in Fluss. Nichts ist starr und fest, der Zustand zwischen Sein und Schein ein ungewisser. Köhnholdts Malerei ist Reflexion im doppelten Wortsinn. Der Augenreiz der äußeren Realität verbindet sich mit der Wahrnehmung der gedanklichen und emotionalen, also inneren Realität zu einem neuen Bild. Sein forschender Blick ist fasziniert von optisch kuriosen oder inhaltlich berührenden Momentaufnahmen. Oft sind Fotografien oder Zeitungsausschnitte die Grundlage seiner großformatigen Acryl- und Ölgemälde, in denen er das Gesehene in Farbe und Form transformiert. Farbstiftstudien probieren den Bildentwurf, doch auf der Leinwand entwickelt sich ein bildeigener Kosmos. Zur vagen Dingbeschreibung treten freie Linien und ein expressives Kolorit. In der bunten Kunstwelt des Jan Köhnholdt scheint alles leicht und locker, durchaus auch dramatisch, aber immer bewegt. Im Flow der Malerei öffnet der Künstler die materialen Grenzen seiner Motive für unsere Phantasie. Das Bild der Realität kehrt befreit als Möglichkeit zu uns zurück.
 

In der Ausstellung <Freudensprung> in der HOLTHOFF-MOKROSS Galerie in Hamburg zeigt Jan Köhnholdt seine neuen Arbeiten aus dem Jahre 2017. Ergänzt wird die Ausstellung um Skizzen aus den Jahren von 2011 bis 2017. 

Möchte man die großformatige, eindrucksvolle Malerei dieses besonderen Künstlers verstehen, so sind die Skizzen von Jan Köhnholdt sicherlich ein Schlüssel dazu.

Sein  Malprozess – den er sich in seinem Studium in Wien angeeignet hat -  beinhaltet eine routinierte Abfolge:  Zunächst reagiert Jan Köhnholdt auf für ihn optisch anregende Motive. Meist sind dies Menschen in ihrer Gestalt oder auch im Kontext in für ihn besonders beeindruckenden Ereignissen. Deutlich reduziert in der Form, dabei auffällig in  kontrastreicher Farbigkeit, malt er akribisch seine Inspirationen als Skizze, bevor er im nächsten Schritt  seine Entwürfe auf großen Leinwänden zur Vollendung bringt.

Jan Könholdts Technik ist gekennzeichnet von brillantem  Zusammenspiel von Farben und Farbfeldern. Seine für ihn typische Bildkomposition wandelt Gegenständliches ins Abstrakte und löst bestehende Strukturen fast vollständig auf. Seine Skizzen in noch gemäßigter Abstraktion sind das Verbindungsstück zwischen seiner Wahrnehmung real existierender Bilder und den von ihm expressiv abstrakt gestalteten Leinwänden und verdienen als kleine, eigenständige Kunstwerke besondere Aufmerksamkeit.

Seine außergewöhnliche künstlerische Fähigkeit nutzt Jan Köhnholdt indem er seine entdeckten Motive aus dem konkreten Geschehen und Bildzusammenhang wandelt und ihnen auf Leinwänden eine neue Identität verleiht. Beeindruckend lebendig, farbintensiv und verspielt gelingt ihm dabei das Ergebnis seiner künstlerischen Auseinandersetzung.


Jan Köhnholdt – Freudensprung 

Katharina Mokross / Thomas Holthoff